Mai 2018 Albanien Nord

Erst seit den 90er Jahren kann man Albanien bereisen, zuvor waren die Grenzen 40 Jahre geschlossen. Den Grenzübergang, den wir ohne Probleme passieren, liegt auf der Hauptroute zu Montenegro und ist trotzdem winzig. Schwerlastverkehr gibt es keinen.

Direkt nach der Grenze sieht man Bauern, die ihre Wiese mit der Handsense mähen, einzelne Kühe, Ziegen und Schafe grasen neben kleinen Gehöften. An der Grenze frage ich nach einer Wechselstube oder Bank – beides gibt es dort nicht. Ich werde in ‚die City‘ verwiesen. Und so fahren wir nach Shkoder, schlagen uns durch den chaotischen Straßenverkehr und finden eine Bank und einen Internetladen, wo wir uns eine SIM-Karte kaufen. Die Verständigung auf englisch klappt gut. Für 8€ gibt es 15 GB, nicht schlecht.

In einer Parkanlage mitten in der Stadt grast Mutter Pferd mit Fohlen.

Wir finden einen kleinen Markt und decken uns mit frischen Oliven (eine ordentliche Tüte für rund 1€), Kirschen für 55 Cent und Olivenöl für 1,50€ ein. Alles sind ca. – Preise, gezahlt wird in LEK und 100 LEK sind 80 Cent. Die Verständigung erfolgt mit Händen uns Füßen – oder so ähnlich. Immerhin telefoniert die Verkäuferin nebenbei ganz locker.Zum Ankommen in Albanien steuern wir den überall empfohlenen Campingplatz Legjenda bei Shkoder an und werden megafreundlich von der hübschen Tochter des Hauses empfangen. Für 6€ pro Person und 3€ für das Mobil bekommt man einen Stellplatz mit Poolblick, saubere, großzügige Sanitäreinrichtungen und WLAN (allerdings sehr langsam). Der Platz ist mit sehr viel Liebe angelegt und die englischsprechenden Betreiber sind superfreundlich.

Man kann dort wohl auch gut in einem Restaurant speisen, bei uns gibt es heute aber leckere Spaghetti Carbonara nach Art des Hauses 🙂  und dazu Jana-Mineralwasser aus Kroatien. Hier liebe Grüße an meine Nichte :-*Am nächsten Tag fahren wir mit unseren Scootern nochmal in die Stadt und fallen dort nicht wenig auf.

Wir finden abseits des Straßentrubels ein lauschiges Café, der Cappuccino ist eher ein sehr starker Mokka mit aufgeschäumter Milch. Aber nicht unlecker und günstig: knapp 1€ inklusive Wasser.

Das Café liegt neben der alten, einspurigen Holzbrücke, über die bis 2011 noch der gesamte Verkehr von und nach Montenegro floss. Heute dient sie als Fußgängerbrücke und führt zum Romaviertel.

Dann erklimmen wir den Hügel zur Besichtigung der Rozafa-Festung.  Der Name beruht auf einer alten Legende: die Bautätigkeiten wollten damals kein Ende nehmen und die 3 verbrüderten Bauherren beschlossen, dass jene Frau, welche am nächsten Tag zuerst das Essen bringt, eingemauert werden soll, um die für das Bauwesen verantwortlichen Götter gnädig zu stimmen. Die beiden älteren Brüder weihten ihre Frauen ein und so traf es die junge Rozafa.

Es ist wohl nicht überliefert, ob das Opfer Erfolg hatte. Wenn ja, sollte man das für den hiesigen Straßenbau überdenken. Die Aussicht von der Rozafa-Festung ringsum ist jedenfalls toll.

Hier sieht man rechts unten von der Bildmitte unseren Bus auf dem Campingplatz.Und hier ein Blick auf die alte Holzbrücke und die City.

So arg viel ist von der Festung allerdings nicht erhalten.

Nach 2 Tagen fahren wir ein Stück weiter zur kleinen Stadt Shengjin, dort gibt es eine gute Möglichkeit, unter Pinien am Strand frei zu stehen.Der Sandstrand ist ganz nett. Das Wasser ist warm, ich schätze um die 25 Grad, aber ist durch herumschwimmende Wasserpflanzen und leider auch Müll nicht so einladend. Wir sind durch 4 Wochen Kristallwasser in Kroatien aber auch verwöhnt. Gut, dass ein leichter kühler Wind geht, da sparen wir uns das baden.Auf den Bilder kommt es gar nicht so raus, aber der Müll ist leider überall. Teils wird er vom Meer angeschwemmt, wir beobachten aber auch, dass die Leute ihr Zeug einfach liegen lassen, wenn sie den Strand verlassen. Manche packen noch alles in einen Plastiksack, legen den aber irgendwo am Strand ab. Dann kommen die hier überall freilaufenden Hunde und zerfledern den Sack auf der Suche nach Essbarem. Dabei stehen an der Straße alle paar hundert Meter große Müllcontainer, wir verstehen das nicht.Die freilaufenden Hunde haben hier einen netten Charakter, bleiben selbst immer auf Distanz, freuen sich aber, wenn man ihnen einen Happen zuwirft. Wir lernen Fatjon und Donika kennen, sie wohnen mit ihrer Familie in der Nähe und sprechen gut deutsch. Sie haben es wie viele andere als Flüchtlinge probiert und wir haben sehr interessante Gespräche. Sie schwärmen und träumen von Deutschland, versuchen aber in ihrer Heimat ein Business aufzubauen. Sie laden uns zu Kirschen ein und Fatjon gibt mir seine Handy-Nr., falls wir irgendwo in Albanien Probleme haben, sollen wir ihn unbedingt anrufen. Wir wünschen der netten Familie viel Glück!Nach einer ruhigen Nacht fahren wir ein Stück weiter südwärts nach Tale, in der Hoffnung, der Strand ist dort nicht so vermüllt. Es ist tatsächlich nicht ganz so schlimm, vermutlich, weil dort jetzt in der Vorsaison auch viel weniger Leute sind als am Stadtstrand von Shengjin. Im Hochsommer ist es hier voll, vor allem mit Urlaubern aus dem Kosovo.

Bei Tale stehen einige Großbunker. Die kleinen Bunker sieht man in Albanien überall. Nachdem 1968 alle Beziehungen zu anderen Länder abgebrochen waren, befürchtete man eine Invasion und plante den Bau von 750.000 Bunker für je 4 Personen sowie diverse Großbunker. Letztlich umsonst, kein anderes Land hatte Interesse an Albanien. Insbesondere die 4-Personenbunker erinnern an Loriots Bunker K2000.Bei dem ganzen Rumfahren wird unser Bus ordentlich schmutzig. Ich würde den ja gerne selbst waschen, dass ist in Albanien aber nicht möglich. Dafür gibt es überall Lavazahs mit Service.Man kann sich dran gewöhnen: der Bus wird im Hintergrund für 5€ gewaschen und gewienert, vorne trinkt man für 80 Cent einen Mokka-Milchschaum-Cappuccino.Die nächste Stadt, die wir uns anschauen, ist Lezha. Dort sind auch am Sonntag aller Geschäfte auf, mit Ausnahme der Post. Sorry, liebe Leute, auf die Postkarten aus Albanien müsst ihr noch ein wenig warten.Wir machen ein paar Einkäufe, ein großes Brot kostet 80 LEK, also rund 60 Cent. Importierte Ware hat allerdings den gleichen Preis wie in Deutschland.In Lezha gibt es auf einem Hügel ein restauriertes Franziskanerkloster aus dem 13. Jahrhundert und ein Mausoleum nebst Ruinen der St.Nikolaus-Kirche anzuschauen, als Gedenkstätte für Skanderbeg, der im 15.Jahrhundert jahrzehntelang die Einnahme des Landes durch die Osmanen verhindert hat.Nach einem ausgiebigen Stadtbummel gehen wir wieder zu unserem Bus. Es empfiehlt sich, gut auf den Weg zu achten.Was wir bisher nicht einkaufen konnten, war Wurst und Fleisch, wie wir es mögen. Und der Vorrat aus Kroatien wird weniger. Es gibt zwar überall kleine Läden, die Wurst schaut dort aber nicht gut aus und Fleisch gibt es, wenn überhaupt, nur aus Tiefkühltruhen. Oftmals nicht eingepackt oder abgelaufen. Große Supermärkte gibt es kaum. Wir finden in Durres einen Conad-Supermarkt in einem Einkaufzentrum aus der 60er Jahren. Wir wundern uns zunächst, dass der kleine Parkplatz davor leer ist und wir trotzdem von einem eigenen Wachmann eingewiesen werden. Später wissen wir warum: der italienische Supermarkt hat zwar die gewohnte Auswahl, alles kostet aber 2 bis 4 Mal soviel wie in Italien. Etwas weiter südlich versuchen wir unser Glück im nagelneuen VIVA – Einkaufszentrum. Dort gibt es einen SPAR mit breiter Auswahl und günstigen Preisen, super – der Kühlschrank kann gefüllt werden.Unterwegs ist die Landschaft eher langweilig. Und die Straßen sind meistens eine Katastrophe. Auf Bilder sieht man das nicht gut, drum gibt es hier und hier und hier einige Videos auf Youtube.

Das Gerüttel tut auch dem Innenausbau nicht gut. Die Hängeschränke auf einer Seite lösen sich in der Mitte, wir hatten damit schon einmal Probleme. Man sieht zwar, dass die Schrauben innen nicht greifen, wir können da aber momentan nichts ändern, auch nicht mit größeren Schrauben – und hoffen, dass der Schrank trotzdem hält, bis wir den professionell reparieren lassen können.Wir versuchen einige Abstecher zum Strand, aber die Gegenden sind eher düster, es hat Müll, Schrott, hässliche Häuser und Ruinen.

Wir fahren an einige der neuen Hotelstrände, hier gefällt es uns aber auch nicht und es hat keine schöne Übernachtungsmöglichkeiten.Und so haben wir das erste Mal einen richtig langen Fahr-Tag. Am späten Nachmittag wollen wir nicht mehr weiter und steuern südlich von Vlore einen Campingplatz an, wo wir eine ruhige Nacht verbringen wollen. Der Campingplatz für 15€ ist mäßig schön, aber es sitzt sich gut bei einem mitgebrachten Schlummerdrunk auf einer Terrasse direkt am Bus mit Blick auf ein spektakulär heraufziehendes Gewitter.

Wir sind nach der ganztägigen Durchfahrt durch den Mittelteil von Albanien jetzt schon relativ weit im Süden. Die Freundlichkeit der Menschen hier ist manchmal beeindruckend: wir werden oft unterwegs gegrüßt und es wird gewunken. Vor uns liegt die albanische Rivera, mal schauen, wie es dort aussieht. Wir freuen uns, wenn ihr wieder dabei seid!  🙂  Vielen Dank auch für die netten Kommentare und Mails von Euch!

3 Kommentare zu „Mai 2018 Albanien Nord“

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